GROOVE.DE: Echo Transformations

Michel Banabila ist Zeitenwanderer. Als Mitglied der Ambient-Tribal-Formation Chi, die im Jahr 1985 ein Tape für die Ewigkeit aufnehmen sollte, fand er erst 2016, also gut 30 Jahre später, breite Anerkennung für dieses Werk. Und rückte damit auch mit seinen Soloarbeiten ins Brennglas der avantgardistischen-Musikwelt. Längst überfällig, darf man ruhig sagen. Gerne auch herausschreien. Denn Banabila ist eine aussterbende Art von Künstler. Jener Schlag, der Tag für Tag Musik atmet, denkt und träumt. Das beweisen zahllose Selbstveröffentlichungen. Er braucht Musik, Musik braucht ihn. It’s really that wholesome.

Nun das schizophrene Jahr 2021 abzuschließen, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Dass Mark Van De Maat, Knekelhuis-Kurator und Labelhead, sich für Banabilas Echo Transformations entscheidet, zeugt von seinem Zeit- und Musikverständnis. Eine ganze Weile schon hat sich Knekelhuis mit innovativen Veröffentlichungen hervorgetan, aberdutzende Genres abgedeckt, auch mal Held*innen lang vergangener Tage neu aufgelegt. Das Album von Michel Banabila ist die Kumulation all dessen.

Es ist meist ruhig. Mitnichten ist es jedoch ein schweigsames Innehalten. Wie ein Korallenriff, so nämlich der erste Tracktitel („Coral Reef”), wächst das Album natürlich und organisch. Dass Hörer*innen nach einem meditativem Einstieg, spätestens aber bei „MltV 5z” Parallelen zu Peter Christophersons Werken als The Threshold Houseboys Choir ziehen werden, kann bei der Sound-Schnittmenge nur beabsichtigt sein. Banabila nutzt synthetische Stimmalgorithmen auf ganz ähnliche Weise, wie es Sleazy tat. Und eben nur dieser. Aber vielleicht folgen wir einer falschen Fährte, und Echo Transformations ist eigentlich eine inoffizielle Fortsetzung von und Hommage an Jon Hassell und Brian Eno und die von ihnen kultivierte Fourth-World-Musik. Wer weiß das schon? Solche Musik in Worte zu fassen, fühlt sich immer falsch an. Man kann nicht greifen, was sich keinen physikalischen Gesetzen unterwirft.  Besser ist es daher wohl, mit diesem transzendentalen Album im Ohr ein kleines Stück des Weges gemeinsam zu gehen und sich wieder daran zu erinnern, was Unbeschwertheit nochmal war. (Andreas Cevatli)

 

https://groove.de/2021/12/20/dezember-2021-die-essenziellen-alben-teil-1