BABYBLAUE SEITEN: Wah-Wah Whispers

Der Niederländer Michel Banabila scheint ein ewiger Geheimtipp zu sein, weil er stilistisch in keine Schublade passt. Seit 1983 veröffentlich er seine Musik, auf seine Popularität scheint es jedoch keinen großen Einfluss gehabt zu haben. Andererseits seien ihm viele positive Kritiken schon immer sicher gewesen, heißt es. Unter seinen Arbeiten befinden sich die Filmmusiken, Videokunst und die Musiken für Theater und Choreographien.

„Wah-Wah Whispers“ nennt sich die Zusammenstellung seiner Arbeiten, die sich allerdings der jüngeren Zeit im Schaffen von Banabila widmet. Das älteste Stück stammt aus dem Jahr 2001.

Schon bei dem eröffnenden „Take Me There“ fällt mir die ungewöhnliche Kombination aus kreativ eingesetzten Samples sowie akustischen und elektronischen Klängen auf, die insgesamt eine melancholisch-geheimnisvolle Stimmung erzeugt. In „Tic Tac“ ähnelt der Rhythmus zwar Reggae, hat gleichzeitig jedoch etwas Mechanisches und Hypnotisches an sich. Zudem sorgen die Arrangements für eine bedrohlich wirkende Atmosphäre. Die cineastischen Klangbilder von „Branches“ halte ich für sehr phantasieanregend. Wie eine morgens aufwachende Natur in einem grenzenlosen Wald.

Eine Verschmelzung von futuristischen, ambient-artigen und ethnischen Klängen wurde einst von Jon Hassell als Fourth World Music beschrieben. Vergleichbares bietet auch „Hidden Story“, das zudem noch gesampelte Stimmen, sphärische Gitarren, afrikanisch anmutende Rhythmen und einiges mehr bereithält. In die gleiche Kerbe schlägt auch „Wah-Wah Whispers“, wobei die Rolle der Trompete möglicherweise von einer stark verfremdeten Stimme übernommen wird.

Die episch-melancholischen Stimmungen lassen mich bei „Out of Sync“ sofort an Postrock denken. Es ist die ambientartig-elektronische, mit Field Recordings und Samples versehene Version von Postrock, die uns in eine magische Landschaft entführen kann. Ohne Rhythmussektion, dafür mit mehrstimmigen lyrischen Gitarren. „Secunde Reprise“ halte ich für eine Verschmelzung von Elektronik, Modern Prog und Postrock. Die knackigen Rhythmen, die dissonanten Gitarreneinwürfe, die Sequenzer und die verstreuten Pianoakkorde erzeugen ein ungewöhnliches Gesamtbild. „Narita“ ist eine Zusammenarbeit mit Rutger „Machinenfabriek“ Zuydervelt“. In dem Stück kontrastieren noisig übersteuerte Instrumente mit ausgleichend meditativen Schleifen, die Flöten- und Dudelsack-Klänge zu verarbeiten scheinen.

Eine interessante Zusammenstellung, die wie gesagt einiges an Vielfalt bietet, und zwar zwischen Elektronik, Fourth World Music, Ambient, Postrock und einigen Arrangements, für die es wahrscheinlich noch keine stilistischen Schubladen gibt. (Siggy Zielinski)

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Wah-Wah Whispers